Also hier kommt mal wieder ein Update, ich denke der Titel spricht für sich
Ich fange an mit Arbeit und Wohnen und denke, dass ich einfach mal einen typischen Werktag beschreibe:
Ich wache ziemlich genau mit der Sonne um 6:30, entweder zu den sanften Klängen der idyllischen Autoalarmanlagen in meinem Viertel oder aber mit einem schnöden Handywecker auf (leider nicht mehr zu der Musik meines Handys, das weckt jetzt den Dieb).
Ich räkele mich, mach die Augen nochmal kurz zu, um danach aufzusteh'n und die Morgentoilette durchzuführen. Danach stolpere ich die Treppe runter grüße meine beiden Gastschwestern, die wie immer todschick in ihren Schuluniformen (ich dachte lange Zeit es wären ordinäre Jogginganzüge) bereits auf den Schulbus warten (der holt die Schüler zuhause ab). Meine Gastmutter steht meistens dann schon in der Küche und kocht das Mittagessen. Ich wünsche ihr einen guten Morgen und stelle den Teekessel auf den Herd, um mir einen Instantkaffe zu machen,- ja richtig in einem kaffeeexportierenden Land gibt's so gut wie keinen richtigen Kaffee, macht Sinn oder?
Den Kaffee "genieße" ich mit einer Schüssel Zuckaritas = Kellogs Frosties.
Danach verlasse ich als letzter das Haus so gegen 6:55, um meinen halbstündigen Fußmarsch zur Schule anzutreten.
Dieser führt mich zuerst durch mein amerikanisch anmutendes Vorstadtviertel an zwei Sicherheitskontrollen vorbei. Wenn ich die Casales Buenaventura (so heißt die Siedlung) verlassen habe, wird es südamerikanischer, lauter kleine Tante Emma Läden, Liquorias, Betonmühlen, Schreinereien ,Mini-Restaurants und Autoreparaturen säumen meinen Weg.
Alles ist unglaublich schmutzig, aber ich hab' mich einfach in dieses spezielle Flair verliebt.
Die Straße, die ich dann entlang laufe, ist zum größten Teil geteert, nur Teile des Gehwegs fehlen.
Dann biege ich in den, wie ich es nenne, Bauernhofbezirk ein. Hier ist nichts geteert, die Grundstücke haben meistens einen Garten, in welchem Mais wächst. Die Leute die hier leben sind meistens um einiges ärmer, zudem liegen verschiedene größere Betriebe nebenan (Groß heißt 10 Mitarbeiter statt 2). Auf dieser Straße finde ich dann auch mehrere weidende Kühe vor, ab und zu eine Ziege, Hühner und vor allem jede Menge Straßenköter; wer jetzt aber denkt, das Panorama würde irgendwie nach Alm anmuten, irrt gewaltig, wir sind immer noch in Quito und es ist immer noch dicht besiedelt. Die Tiere weiden am Straßenrand und auf den wenig freien grünen Fleckchen.
Nach 15 min komm ich dann wieder auf eine geteerte Straße das ganze wiederholt sich, nur in dem Teil liegen die meisten Schreinereien und die Gemüseläden, wo ich mir dann oft gesalzene Mangos oder grüne Kokosnüsse kaufe.
Nach weiteren 8 min komme ich dann in der Schule an werde vom Hausmeister/Koch/ Kioskmann freundlich begrüßt, hier treffe ich auch meine Gastmutter Azalea wieder, sie ist die Direktorin der Ele (Grundschule). Überschwängliches Begrüßen ist hier extrem wichtig, alle Lehrerinnen kriegen Küsschen mit den 3 Lehrern ist das kumpelhafter, Handschlag und ein kurzer Schwank über die überragenden Leistungen von Liga de Quito im Copa Liberatores (Champions League von Südamerika) und los gehts.
Ich geh' dann in die 7. Klasse, meine Kollegin Lily ist meistens etwas spät, deshalb fange ich schon an, mich mit den Kids zu unterhalten und die Hausaufgaben zu kontrollieren.
Wenn Lily dann da ist bin für das Anschreiben an die Tafel, die Aussprache der Kinder und alles was gemalt werden muss (hier wird alles gemalt) zuständig.
Irgendwann trudelt dann auch Bastian ein, und ab und zu haben wir unsere Klassen komplett alleine.
Zum Unterricht muss man sagen, dass es einfach nicht derselbe Unterricht wie in Europa ist. Die Kinder stehen auf, unterhalten sich, krabbeln auf dem Boden rum.
Ich hab eine Zeit lang versucht, mich auf deutsche Art durchzusetzen, mit Strenge, das funktioniert aber nur mit stoischer Beharrlichkeit und dann auch nur bei einzelnen Kindern.
Mittlerweile nehme ich es gelassener und wenns doch mal laut wird, dann wird mit Handzeichen, die alle Kinder nachahmen, für Ruhe gesorgt.
An die Kinder kommt man ziemlich leicht mit Geschichten von andern Ländern, religiösen Sachen auf Englisch (Religion ist hier viel wichtiger) oder Dragonball ran.
Um 10:10 oder 10:40 ist dann Frühstückspause, ich setzte mich mit Basti in die Küche und wir essen Cimbolitos, Sandwiches, Tostadas oder Chaulafan. Darauf geh ich später nochmal ein.
Danach gehts, wie gehabt, weiter bis 13:20 dann ist Schulschluss.
Das heißt raus ans Tor und die Kinder verabschieden. Danach gehts den Weg wieder nach Hause.
Angekommen gibts Mittagessen, kalt, weil von Mutti morgends vorbereitet, meistens Seco de Pollo mit Reis und Bohnen oder Linsen, oder auch mal Spaghetti mit Thunfisch.
Dann geh' ich meistens hoch in mein Zimmer, checke meine Mails oder surfe ein bisschen, da ich mir hier ein Wlan gegönnt hab.
Wenn ich nix besseres zu tun habe, fahre ich in die Stadt, dafür gehts wieder raus, diesmal in die entgegengesetzte Richtung in die Haupstraße. Hier esse ich meistens noch ein Empanada. Busse halten hier zwar auch an Stationen, normalerweisse winkt man sie sich aber herbei. Die Dinger sind so eine Sache für sich, man muss sich ziemlich gut auskennen, um den richtigen Bus zu erkennen.Sie heißen auch nicht 925 oder 603 sondern Guadalajara, Transporsel, Ecovia, Metro, oder Calderon, um nur wenige zu nennen.
Ins Zentrum dauert es ca. eine Stunde. Quito lässt sich gut mit Offenbachs schlechteren Vierteln vergleichen, nur dreckiger. Trotzdem muss man hier als Europäer eigentlich nichts missen, es gibt Rieseneinkaufszentren, amerikanische Supermärkte und vor allem jede Menge Straßenstände. Der Verkehr ist mörderisch, Zebrastreifen exisitieren, aber nicht im Auge eines Autofahrers. In der Stadt kaufe ich meist Sachen ein, die es in Carapungo, wo ich wohne, nicht gibt, so etwa Sportsachen, Eis oder mal einen richtigen Kaffee.
Treffen tut man sich gerne in der schon beschriebenen Mariscal oder in einem der beiden größeren Parks.
In der Stadt gehe ich gerne in die Raubkopieläden, wo man für 1,50$ DVD-Filme in DVD Qualität kaufen kann. Meine Sammlung umfasst bereits 20 Filme und ich habe vor, sie auf 200 zu erweitern =).
Wenn wir nicht noch was trinken gehen, fahre ich dann wieder mit dem Bus heim.
Hier muss ich jedoch wieder ca. 30 min vor meinem Zuhause aussteigen und kann die Hauptstraße entlangwandern. Hier wimmelt es nur so von Restaurants. Ich muss unbedingt noch Bilder machen, normalerweise hängen nämlich aus den Läden Schweinhälften und aus pechschwarzem Fett werden Seco de Carne serviert.
Die Haupstraße zu überqueren hat was von Frogger spielen, mit nur einem Leben!
Zuhause unterhalt ich mich meist mit meine Gastschwestern oder guck ne DVD, surfe ein bisschen und gehe dann schlafen.
So das war ein typischer Tag.
Kommen wir nun zum nächsten Thema den Ecuadorianern, ihrem Essen und ihren Gepflogenheiten:
Der typische Ecuadorianer ist 1,68 groß, hat indigene Einflüsse und trägt entweder europäisch oder traditionell (Lederhut und jede Menge Tücher).
Er vergöttert Hähnchen und Reis ohne jede Soße. Aber eigentlich ist er recht kreativ, was Essen angeht. Snacks sind Cimbolitos( Bananenkuchen, nicht wie bei uns MIT Bananan sondern AUS Maduros, dass sind leicht süße Bananen, eingewickelt im Bananenblatt), oder Empanadas( fritierte Teigtaschen mit verschiedenen Füllungen meistens Frischkäse, gibts in süß oder herzhaft). Sollte das ganze herzhaft sein gibts dazu Aji Salsa, eine Soße aus Zwiebeln, Knoblauch, Chilis und Tomate de Arbol( die Frucht ist schwer zu beschreiben, irgenwie eine perverse Kreuzung aus Tomate und Papaya, im Aussehen und Geschmack aber irgendwie auch wieder nicht). Aji wird eigentlich zu allem gegessen, was Hauptgericht ist. Und es gibt sie in gut und echt mies, da jede Familie auf ihr Originalrezept schwört.
Zum Essen gibts meistens Tostadas, eine Art Urform des Mais, als Urpopcorn zubereitet. Sieht anders aus, schmeckt auch anders, und eine Schüssel voll reicht, um den Atlantischen Ozean trocken zu legen, so sehr dehydriert das Zeug. Ich mag es aber trotzdem.
Als Hauptgericht isst man allerdings immer Fleisch, man nennt es meistens Asado (gegrillt) aber auch frito (gebraten oder frittiert) oder gekocht, wobei das "gekocht" an Vergewaltigung grenzt.
Suppen unterteilt man in Sopas ( Brühen) oder Cremas (Cremes). Brühen sind meistens mit Kartoffeln und Yuca (Palmenwurzeln, Kartoffeln sehr ähnlich, nur ein wenig klebriger) und jede Menge frischem Koriander. In die Suppe kommt traditionell Popcorn. Aufpassen muss man bei den Cremesuppen, bei denen man schon mal auf einen Hühnerfuß stoßen kann, man isst dann meistens als Europäer nicht weiter, während die Ecuadorianer neidvoll auf die Kralle starren.
Die Säfte und Desserts nimmt der Ecuadorianer pappsüß zu sich, meistens Götterspeise(Gelantina)
Besondere Spezialtät ist Cuy - Meerschweinchen- . Das isst man zu besonderen Anlässen und es wird nur gegrillt. Obwohl die Tiere größer sind als bei uns, ist nicht viel dran, sie sind aber unglaublich knusprig und schmecken wie Kaninchen. Ich habe es erst einmal gegessen und mir ist erst beim Kauen aufgefallen, dass die selstsamen Anhängsel Lunge und Leber waren, war aber sehr gut.
Allgemein habe ich hier, seitdem ich aus Versehen Kutteln gegessen habe, kein Problem mehr mit Innereien, besonders die argentinisch angehauchten Lebergerichte sind ziemlich lecker.
Mein persönliches Lieblingsessen ist jedoch Chaulafan, scharf angebratener Reis mit Gemüse, Shrimps und Hühnchen.
Zu einem guten Essen darf ein Pilsener nicht fehlen, ein Bier mit viel Kohlensäure und mit Maiszusatz.
Der Ecuadorianer an sich ist stolz, fussballverrückt und guckt nicht nur Copa Liberatores und die primero division (1.Liga Ecuadors), sondern Premiere League, Champions League, spanische Primero Division und sogar Bundesliga.
Viel lieber kickt er aber selbst auf einem der 10000000000000 Fußballplätze, manchmal sogar auf welchem mit richtigem Rasen. Ansonsten ist Sport die Hauptbeschäftigung neben im Bus stehn, Volleyball, Basketball (aufgrund der Größe ziemlich peinlich).
Wenn man nicht im Bus steht oder isst oder Fußball spielt, beleidigt man eine andere Region Ecaudors und deren Bewohner, in Quito meistens Leute von der Küste, die man Monos (Affen) nennt.
Sollte einem das doch mal langweilig werden, geht man aus, hört Reggeaton und trinkt Aguadiente, eine Art Ouzo, oder Zhumir, etwas, was entfernt an Berentzen erinnert.
Eine weitere Besonderheit ist Cannelazo, heißer Fruchtsaft mit Zimt und Aguadiente, für mich die Inkarnation von Kopfschmerz. Den gibt es nur stilecht aus der Plastikflasche mit Strohhalm und der modischen aus amerikanischen Filmen bekannten Papiertüte drum. Trinken in der Öffenlichkeit ist nämlich verboten.
Beim Ausgehen muss man jedoch etwas Wichtiges beachten. Sollte man mit jemandem anbandeln, sollte man sie besser heiraten, bevor man nur im Traum daran denkt, sie nach Hause zu bringen, sonst ist man ganz schnell die Schande der Nachbarschaft. Überhaupt ist es hier nicht ungewöhnlich, dass auch Ehepaare in getrennten Betten schlafen.
Das eröffnet dem gewieften Ecuadorianer natürlich ganz neue Geschäftszweige, allen voran Motels. Wem das zu teuer ist geht einfach in den Park, was da so abgeht tztztzt....
So mit dieser kleinen Anekdote entlasse ich euch und hoffe, ich habe es geschafft, dass ihr euch jetzt vorstellen könnt, wie ich hier lebe.
Grüße nach Hause, Peace und ciao
Dienstag, 14. April 2009
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